Einen gelungenen Nachmittag wünscht Ihnen der PRISMA Event-Guide for happy people.

Prisma Ausgabe 85

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Andre HammonÜ

ber ICH und DU als Beziehungsaspekte sprach ich kürzlich mit Boris Egerer, einem in Nürnberg lebenden Freidenker und Menschenfreund. Er brachte in mir einen Stein ins Rollen, indem er eine Änderung des Mottos in ICH und DAS vorschlug. Der Ansatz ist gar nicht so abwegig, weil in Beziehungen weniger die Subjekte eine Rolle spielen, sondern DAS, was zwischen den beiden Menschen als Thema im Raum steht. Das erklärt auch, warum sich fast alle Menschen in Beziehungen nicht wirklich verstanden fühlen. Eigentlich könnte man das Thema ICH und DU auch unter dem Schlagwort „Missverständnisse“ abhandeln. Oder können Sie etwa behaupten, Ihr Partner habe Sie wirklich in allen Dingen grundlegend verstanden?
Nein, niemand wird und kann einen anderen Menschen wirklich verstehen. Wer das von Beziehungen erwartet, gibt sich Illusionen hin und wird zeitlebens unglücklich einem Phantom nachjagen. Ich gehe sogar so weit, zu behaupten, dass Beziehungen nur gepflegt werden, um durch den anderen Sicherheit oder Vorteile zu erlangen. Wenn unser ehemaliger Bundespräsident Christian Wulff von heute auf morgen Olaf Glaeseker, sein zweites ICH (wie er ihn bis dato immer bezeichnete), plötzlich aus seinem Leben verbannt, weil er durch die Beziehung persönliche Nachteile erwartet, dann wird deutlich, dass hier nur das „DAS“ und nicht das „DU“ eine Rolle spielt.
Beziehungen sind nur von Dauer, solange ein gegenseitiges Interesse daran besteht. Wenn man sich für einen anderen erwärmt, dann schwärmt man im Endeffekt nur für seine eigenen Ideale, die man unbewusst im Guten wie im Bösen auf den anderen projiziert. ICH und DU gehen wegen ICH und DAS nicht zusammen. Im Grunde müssen wir uns damit abfinden, dass wir in einer Welt voller Menschen allein sind. Nur aus vernunftbezogenen, abhängigen oder materiellen Gründen wählen wir Verbindungen. Die Erlösung findet nur dann statt, wenn man in der Lage ist, sich selbst näher zu kommen und zu verstehen. Dadurch gewinnt man auch ein Verständnis für sein Gegenüber und sieht dann nicht mehr im anderen die Schuld für eigenes Versagen.
Nach dem Gespräch mit Boris kam noch eine weitere Dimension ins Spiel: ICH und DAS sind letztendlich nur ES! Alle Unterschiede lösen sich auf. Zitat Egerer: „Atmet das DU anders als das ICH? Lebt denn das ICH nicht auch auf der gleichen Erde wie das DU? Arbeitet das DU nicht für das ICH, damit das ICH wiederum einem anderen DU zuarbeiten kann? Scheint auf ein DU denn eine andere Sonne als auf ein ICH? Oder sind diese DUs, die in einer anderen Stadt leben oder auf einem anderem Kontinent, nicht alle auch ICHs, die zusammen alle gemeinsam zur gleichen Zeit auf einem Planeten leben, der sich Erde nennt?“
Ist DAS oder ES nicht schön?

André Hammon