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Prisma Ausgabe 92

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Baumblüte ohne Bestäuber

Sind die Imker schuld am Bienensterben?

Dass der Einsatz von Pestiziden sowie der Monokultur-Anbau in der konventionellen Landwirtschaft beim aktuellen Bienensterben eine Rolle spielen, lässt sich nicht mehr von der Hand weisen. Ein weiterer Faktor ist aber bislang noch gar nicht eruiert worden: nämlich die Rolle der Imker selbst. Haben diese bislang mit dem Finger immer auf andere gezeigt, stehen sie nun selbst unter Verdacht, die Ursache des Massensterbens zu sein. Im Fokus steht dabei der Zucker, der als Ersatzstoff für den entnommenen Honig dient. Doch alles der Reihe nach. Der Imker nimmt den Bienen ihre wertvollen Erträge und gibt ihnen stattdessen eine Zuckerlösung (Saccharose-Lösung). Dafür wird Zucker (Saccharose) im Verhältnis 3:2, seltener 1:1 mit Wasser gemischt. Der Zucker ist zwar mit der in den Honigrohstoffen Nektar und Honigtau enthaltenen Saccharose identisch, doch während sich im Bienenhonig mehr als 240 natürliche Substanzen finden, darunter Aminosäuren, Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente, ist im raffinierten Zucker nichts mehr davon enthalten (siehe auch Artikel „Das weiße Gift“ in dieser Rubrik).

Honig enthält folgende wertvolle Inhaltsstoffe:
Mineralstoffe und Spurenelemente: Natrium, Kalium, Magnesium, Kalzium, Eisen, Mangan
Enzyme: Invertase, Glucose-Oxidase, Diastase
Aminosäuren: Alanin, Prolin, Asparaginsäure, Glycin, Prolin
Vitamine: C, B2, B6, Niacin, Pantothensäure

Dass Zucker die Ursache oder zumindest ein wichtiger Faktor beim Bienensterben sein könnte, legen folgende Tatsachen nahe:

  • Fertigfutter auf Saccharosebasis ist ein inhaltsloses Substitut. Wäre das Substitut ebenso wertvoll und inhaltsreich wie Honig, wäre es ja nicht notwendig, den Bienen ihre mühsame Arbeit zu stehlen!
  • Das Biozentrum der Universität Würzburg hat festgestellt, dass Bienen ein äußerst schwaches Immunsystem besitzen und daher auf eine Vielfalt verschiedener Substanzen angewiesen sind. Im Honig sind alle Stoffe enthalten, die Bienen brauchen, um ein stabiles Immunsystem auszubilden, das sich etwa gegen die Varroa-Milbe behaupten kann. Zucker schwächt dagegen das Immunsystem massiv, so dass die Bienen gegen Infektionen wehrlos sind.

In der Praxis berichten vor allem naturnahe Imker, dass konventionelle Imker sogar die nicht unerheblichen Kosten der Ersatzmischung scheuen und den Bienen stattdessen reinen weißen Zucker verabreichen. Einige Bio-Imker haben auch berichtet, dass manche konventionelle Imker gar nichts füttern. Dadurch kommt es dazu, dass manche Bienenvölker von Hunger geplagt ausschwärmen und andere Bienenvölker, primär von Bio-Imkern, überfallen, um an deren Vorräte zu gelangen.

BIOHONIG

Wenn von „Bio-Honig“ gesprochen wird, so ist dieser Begriff eigentlich meist nicht korrekt, denn der Bienenflug lässt sich nun mal nicht kontrollieren. In einem Umkreis von mindestens 5 km (je nach Bienenrasse auch mehr) dürfen keine konventionell bewirtschafteten landwirtschaftlichen Flächen vorhanden sein, damit ein Bio-Imker mit Sicherheit sagen kann, dass sein Honig wirklich ein reines Bio-Produkt ist. Es wäre daher besser, von „Honig aus ökologischer Bienenhaltung“ zu sprechen. Bio-Imker versuchen die Haltung der Bienen so ökologisch wie möglich zu gestalten, indem sie Ressourcen schonen, Energie sparen und versuchen, die Natur nicht zu schädigen oder gar zu zerstören. Bio-Imker verzichten darauf, künstliche Stoffe oder Energien in die natürlichen Kreisläufe einzubringen, und versuchen die natürliche Vielfalt an Arten und Lebensformen zu erhalten.