Einen gelungenen Nachmittag wünscht Ihnen der PRISMA Event-Guide for happy people.

Prisma Ausgabe 95

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Editorial

Die Welt im Burnout. Der Tanz um das goldene Kalb schwenkt auf seinen finalen Höhepunkt ein. Jetzt wird schamlos alles mitgenommen, was noch zu haben ist – global wie auch lokal. Wen interessiert schon noch das Morgen, geschweige denn die nächste Generation! Auf den Parketts der Börsen schießen die Kurse ungeniert durch die Decke, für den zügigen Ausbau weiterer Tier-KZs werden die letzten Urwälder gerodet, und die letzten Wiesen auf fränkischem Böden werden von skrupellosen Pflanzenproduzenten in Ackerland für Raps- und Maismonokulturen verwandelt, denn die Biomassegewinnung für Biogasanlagen ist lukrativer als der Lebensmittelanbau.

Zu diesem Trend passen auch die Olympischen Winterspiele, wo sich Putin für geschätzte 60 Milliarden US$ im subtropischen (!) Sotschie auf Kosten der Natur ein Denkmal setzte. Die Spiele in Vancouver vor 4 Jahren waren für 2 Milliarden US$ dagegen ein echtes Schnäppchen. Dabei würden laut UNO „nur“ 7 Milliarden US$ reichen, um alle Ernährungsprobleme dieser Welt zu lösen. Nur 7 Milliarden gegenüber 60 Milliarden in Sotschie für 16 Tage IOC-Spektakel, um ein paar Verrückte glücklich zu machen. Wer hier kalt bleibt, ohne eine Träne zu vergießen, dem ist nicht mehr zu helfen.

Und der Ausverkauf macht auch vor Bayern nicht halt. Die „Bayerische Staatsforsten“ lässt unsere heimischen Wälder, allen voran den Steigerwald, von chinesischen und österreichischen Holzspekulanten für billiges Geld plündern. Über den Irrsinn einer Hochspannungstrasse quer durch Franken, wo doch die Zukunft der dezentralen Energieversorgung gehört, berichtet meine Kollegin Doris Distler in der Regionalausgabe Neumarkt.

Die Wahrheit ist manchmal schwer auszuhalten. Die Verdrängungsmechanismen unserer Psyche sorgen dafür, dass wir uns lieber für die Sonderangebote bei Aldi oder die neue Quizduell-App interessieren. Beschäftigen und ablenken statt hinschauen und bewusst machen ist der übliche Weg. Ein weiterer Weg besteht in der Wertung und Aufteilung der Welt in Gut und Böse. So wurde die Serie über „Kraftplätze in Franken“ schon als Förderung rechtsradikalen Gedankenguts stigmatisiert. Einfältige Geister machen neuerdings unser Magazin für den Erfolg (oder Misserfolg) ihrer Anzeigen verantwortlich. Ich habe mich daher entschlossen, ab der nächsten Ausgabe eine Serie über die Wirklichkeit als Ergebnis der persönlichen Haltung zu etablieren. Wer andere für seine Realität verantwortlich macht, braucht sich nicht zu wundern, wenn er das bekommt, was sein Denken ihm vorgaukelt. Wie gut, dass wenigstens die Natur noch weiß, dass jetzt der Frühling kommt …