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Prisma Ausgabe 102 Franken

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Editorial

Juni/Juli '15

G

estern Naturbewahrer – heute Umweltzerstörer. Die konventionelle Landwirtschaft trägt seit der staatlichen Subventionierung von Biogasanlagen massiv und schneller als erwartet zur Vernichtung der natürlichen Artenvielfalt bei. War der Landwirt gestern noch für den ökologischen Erhalt der Natur zuständig, quetscht er heute in seiner neuen Rolle als Energiewirt den letzten Tropfen Ertrag aus der inzwischen biologisch toten Erde seines Ackers, die nur noch als Substrathalter für Designpflanzen dient. Der Rest kommt aus dem Spritzfass!

Heute ist es um ein Vielfaches lukrativer, Biomasse für Biogasanlagen zu gewinnen, als Roggen für das tägliche Brot anzubauen. Die Pachtpreise allein in Franken haben sich – beflügelt durch die Biogasförderung in den letzten 10 Jahren – in einigen Gebieten mehr als verzehnfacht. Ohne auf die Fruchtfolge zu achten, wird nur noch abwechselnd Mais und Raps in einer inzwischen flächendeckenden Monokulturlandschaft angebaut. Lediglich 6,5 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche in Bayern werden biologisch genutzt. Tendenz sinkend, obwohl die Biobranche einen anhaltenden Boom erlebt – weshalb Hersteller und Händler mehr als 50 Prozent der Bioprodukte aus dem Ausland importieren müssen.

Schuld an dieser Entwicklung ist in erster Linie die christlich-soziale Politik in Bayern! Fehlgeleitete Subventionen und ein von der Chemielobby durchwandertes Landwirtschafsministerium treiben die Jungbauern von heute in die wirtschaftliche Abhängigkeit. Neuerdings schwatzt man ihnen auch noch Wachstumshemmer auf, damit weniger Grünabfall beim Ernten des Fruchtstandes anfällt.

Der Landbewohner nimmt zunehmend die Konsequenzen wahr. Blühende Bäume, aber keine Bienen, Insekten und Schmetterlinge mehr. Seit einigen Jahren machen sich auch sukzessive unsere heimischen Singvögel regelrecht vom Acker (siehe Bericht auf Seite 6). Sie verhungern, weil ihre Lebensräume vernichtet und alle Insekten totgesprüht werden. Auch der Feldhasenschwund lässt sich durch die Vernichtung der landschaftlichen Vielfalt erklären.

Vielleicht bringt der Bewusstseinsprozess für die Konsequenzen einseitigen Wirtschaftens, der in den Führungsetagen großer Konzerne derzeit einzusetzen scheint (siehe Artikel auf Seite 4), eine Lösung. Oder ist der Mensch wirklich zu borniert, um zu begreifen, dass, wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, man Geld nicht essen kann? Den Bauern dieser Tage wünsche ich jedenfalls baldige Einsicht in das, was sie uns mit ihrer Apparatelandwirtschaft zum Schaden aller Lebewesen, einschließlich uns Menschen, antun.

Kommen Sie gut in die sonnenverwöhnten Monate. Und wenn Ihnen beim Durchstreifen der Natur noch ein bunter Falter vor die Nase tanzt, halten Sie inne ... genießen Sie diesen Moment eines vergehenden Naturerbes …