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Prisma Ausgabe 112 Franken

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Editorial

Ausgabe Franken Nr. 112 Februar/März '17

E

thik statt Religion! Das sagt ausgerechnet ein religiöser Führer, wenn auch der einer religiösen Minderheit, nämlich des Tibetischen Buddhismus. Der Dalai Lama spricht öffentlich über das Gewaltpotenzial religiöser Schriften und wünscht sich eine weltweit verbindliche säkulare Ethik, gültig für alle Menschen. Dabei wäre eine buddhistische, taoistische oder sufistische Sichtweise, die die Welt nicht in Gut und Böse aufteilt, kein Problem. Doch stattdessen dominieren die polarisierenden Religionen der Juden, Christen und Moslems und verbreiten weiter ungeniert ihren Moralterror und das Töten von Andersgläubigen.

Es ist bedauernswert, dass wir in unserem Land eine Religion dulden, die in Wahrheit eine totalitäre Ideologie ist, die die Säkularisation, also die Trennung von Staat und Religion, weder kennt noch will, die die Kinder- und Vielfrauenehe proklamiert, Schwule und Lesben diskriminiert sowie Frauen aus dem öffentlichen Leben ausschließt. Wir müssen uns heute fragen, ob wir uns so eine zukünftige Gesellschaft vorstellen. Wozu die scheinheilige Diskussion über ein Verbot der NPD, wenn gleichzeitig der Islam mit seinen ca. 7 Millionen Anhängern allein in Deutschland mit unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung zu einem Teil nicht kompatibel ist? Demnach wäre es viel dringlicher, den Islam zu verbieten!

Doch sollten wir, im Sinne des Dalai Lama, vermeiden, diese Umstände zu werten. Denn mit (Be-)Wertungen bewegen wir uns auf dem Niveau des Islam, der seinen Gott über alle stellt und Andersgläubige als Ungläubige bezeichnet. Stattdessen sollten wir die Ideale von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, für die unsere Vorväter zum Teil ihr Leben ließen, standhaft im Alltag verteidigen. Das sind wir schon allein unseren Kindern schuldig. Daher sollten wir in 2017 die Idee des Dalai Lama aufgreifen und ernsthaft über eine verbindliche Ethik für alle Bewohner des Planeten sprechen, eine neue freiheitliche Grundordnung ohne moralische Knebel und Bewertungen. Die Verfassung der BRD nach der Hölle des Zweiten Weltkriegs ging in die richtige Richtung: „Die Würde des Menschen ist unantastbar ... Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit … Jede Mutter hat Anspruch auf den Schutz und die Fürsorge der Gemeinschaft …“ Inzwischen ist jedoch der Katalog neuer, einschränkender Regelungen um ein Vielfaches umfangreicher als die ursprünglich einfach gehaltene Präambel von 1948. Es sieht so aus, als könnten Menschen mit dem Thema Freiheit nicht umgehen, als bräuchten sie jemanden, der ihnen sagt, was zu tun ist und wo es langgeht.

Mein Appell für 2017 an Sie, werte Leserinnen und Leser, ist deshalb, ganz selbstverständlich die ganzheitlich liberale Weltsicht zu praktizieren, für die die Leserschaft der prisma steht. Ich wünsche Ihnen für 2017 die Kraft, all das zu tun, was Ihre Seele in ihrer Entfaltung unterstützt, und all das zu lassen, was sie davon abhält.


Autor der Beiträge: André Hammon