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Das große HEILPFLANZEN-Kompendium

Heilpflanzen-Kompendium

von Brigitte Addington

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Brigitte Addington
Zertifizierte Wildkräuterexpertin und Fachkrankenschwester, Kommunikationszentrum für Kräuterkundige weltweit, Erlenfeld 19a, 91096 Erlangen, Fon: 09131-93 172 96 oder www.sonnetra.de.


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Weiße Taubnessel (Lamium album)

Familie der Lippenblütengewächse

Beschreibung

Der botanische Namen "Lamium" leitet sich vom griechischen "lamos" ab, was Rachen oder Schlund bedeutet und auf die Form der weißen Lippenblüten anspielt. Die Oberlippe der Blüte wölbt sich wie ein Helm über die empfindlichen Staubgefäße, die keinen Regen mögen – eng schmiegen sie sich an das schützende Dach. Damit ihnen die oft noch kühlen Nächte im Frühjahr nichts anhaben können, haben sich ihre Stielchen mit einem feinen Pelz überzogen. Die Unterlippe ist ein einladender Landeplatz zum Nektarschlürfen, den die Pflanze freigiebig spendet. Sie verströmt süßen Honigduft, und folgt ein Insekt der Einladung, wird es nach dem Mahl auf seinem Rücken von den Staubgefäßen eingepudert. Mit dem Gastgeschenk auf dem Rücken summt das Insekt zur nächsten Blüte, wo der klebrige Stempel den Blütenpollen in Empfang nimmt und das Wunder der Samenbildung beginnt.

Das ausdauernde Kraut heißt Taubnessel, weil die Blätter denen der Brennnessel zum Verwechseln ähnlich sehen, aber bei Berührung nicht brennen. Außerdem hat die Brennnessel nur winzig kleine Blüten, während die Taubnesselblüten gut ausgebildet sind. Der Volksmund nennt die Taubnessel auch Nesselweiblein im Gegensatz zum Nesselmännlein, der Brennnessel.

Vorkommen und Standort

Die Weiße Taubnessel, von der man annimmt, dass sie aus Sibirien eingewandert ist, ist eine Begleitpflanze menschlicher Siedlungen. Sie wächst gerne an Wegrändern, Hecken, Gebüschen, Zäunen. Die mehrjährige Mutterpflanze bildet Ausläufer, und schnell überzieht ein grüner Teppich auch hässliche Schuttplätze. Auf nährstoff- und stickstoffreichem, feuchtem Boden wächst sie schon früh im Jahr.

Inhaltsstoffe

Die Pflanze enthält Gerbstoffe, Saponine, Flavonoide, Schleimstoffe und ätherisches Öl. Als Besonderheit findet sich in ihr das Alkaloid Lamiin, zusammen mit Cholin und den Aminen Histamin, Methylamin und Tyramin. Dadurch wirkt sie vermutlich antiviral (z.B. bei Herpes), ebenso wie die Zitronenmelisse. Es ist nachgewiesen, dass ihre nahen Verwandten, die rote, die gelbe und die gefleckte Taubnessel, nicht annähernd so viel Wirkstoff enthalten.

Verwendung zu Heilzwecken

Lamium album ist kühlend, reizlindernd, sanft und schleimig und somit eine Pflanze der Regeneration. Ihr Haupteinsatzgebiet findet sich in der Frauenheilkunde, und zwar neben Menstruationsbeschwerden vor allem beim Weißfluss (Fluor albus), der manche Frauen plagt. Sitzbäder und Spülungen mit einem körperwarmen Tee lindern die Beschwerden, und auch in Zäpfchen kann sie gut eingearbeitet werden. Bei Trichomonaden und Pilzen kann man sie gut als zusätzliches Mittel anwenden. Äußerlich angewendet hilft Taubnessel außerdem bei leichten Brandwunden, Fieber, Rheuma, Gicht und Krampfadern. Innerlich wird der Tee bei Erkrankungen der oberen Luftwege und bei Blasenproblemen angewendet. Bei Beschwerden im Magen-Darm-Bereich wie Magenschleimhautreizung, Völlegefühl und Blähungen unterstützt der blutreinigende, erfrischende Tee die Therapie.

Alle Taubnesseln lassen sich wie Spinat zu einem willkommenen Frühjahrsgemüse zubereiten. Sie schmecken auch roh sehr aromatisch, zum Beispiel in Salat, Dips und Kräuterquark. Alternativ lässt sich mit ihnen auch eine schmackhafte Frühlings-Kräuter-Bowle ansetzen. Das Kraut hat einen hohen Nährwert und ist sehr bekömmlich.

Volksheilkunde und Magie

Die Menschen verwendeten die Taubnessel schon vor Jahrhunderten als Heilmittel. In mittelalterlichen Kräuterbüchern beschrieben Bock und Matthiolus sie bereits als Reinigungs- und Heilmittel für Geschwülste, faule Wunden und Krebs. Pfarrer Kneipp benutzte einen Absud für Ohrendämpfe, und der englische Kräuterarzt Gerard erklärte im 16. Jh., dass ein Taubnesselelixier das Herz fröhlich mache, dem Gesicht eine frische Farbe gebe und die Lebensgeister beflügele.

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