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REFLEXIONEN

... von Wolf Schneider

Wolf Schneider

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Wolf Schneider, Jahrgang '52, ist Autor, Redakteur und Kursleiter. Er studierte Naturwissenschaften und Philosophie. Im Zeitraum von 1975 bis 1977 lebte er in Asien. Seit 1985 ist er Herausgeber von Connection, der besten spirituellen Zeitschrift auf Deutsch. Ab 2008 tritt Wolf Schneider immer wieder als Kabarettist auf und nimmt dabei am liebsten seine eigenen Zielgruppe auf die Schippe, die spirituelle Szene. Kontakt: Email an Wolf Schneider.

Reflexionen

Der Atem der Transzendenz

Als Karl Marx 1843 Religion als "Opium fürs Volk" bezeichnete, wusste er noch nicht, wie die Welt 170 Jahre später aussehen würde. Heute erscheint seine Aussage plausibler denn je, doch müssen wir sie ergänzen: Auch der Glaube an unser Geldsystem oder etwa der an die Fortsetzbarkeit unseres heutigen Lebensstils, vielleicht sogar der an die Intelligenz des Homo sapiens ist Opium fürs Volk. Und noch etwas ist zu ergänzen, diesmal zugunsten der Idee des Religiösen: Wie so viele der Revolutionäre und Atheisten der letzten zweihundert Jahre, schüttete auch Marx in dieser Sache das Kind mit dem Badewasser aus. Es gibt nämlich etwas im Kern der Religionen, das auch die korruptesten, selbstgerechtesten und verblendetsten Inhaber religiöser Ämter nicht völlig haben vernichten konnten: den Atem der Transzendenz. Der weht allerdings in Tempeln, Kirchen und Synagogen nicht eher als an den Stätten des profanen Lebens, und auch in esoterischen Kreisen trifft man leider allzuoft eher auf den Mief der Einbildung als auf den Atem der Transzendenz.

Man könnte diesen Atem auch "das Spirituelle" nennen, den Spirit oder den Geist. Diese Unterscheidung zum Phänomen des Religiösen wird heutzutage gerne gemacht. Damit bietet sich den spirituell Bewegten eine Gelegenheit, sich für heiliger als die bloß Religiösen zu halten – Rechthaberei ist eben nicht das Monopol der Religiösen, es gibt sie auch in spirituellen Kreisen. Besser wäre es, den Geist als etwas nicht Fassbares zu verstehen, als "das Tao, über das man nicht sprechen kann", oder als Yahwe, dessen Namen man nicht nennen soll, ja nicht einmal nennen kann.

Um die Verwirrung der nach Fassbarkeit Suchenden hier noch zu vervollständigen: Die Religionen haben nicht nur Opium in ihrem Giftschrank, und sie sind auch nicht bloß Gefängnisse des Geistes. Religionen in aller Welt sind oft auch Betreiber guter sozialer Institutionen, in denen Menschen sich hingebungsvoll dem Dienst am Nächsten widmen. Da ist viel Heuchelei dabei, zugegeben, aber nicht nur. Manches davon ist ehrlich und hilft wirklich. Besser eine ehrliche tätige Hilfe, egal im Rahmen welcher Weltanschauung, als ein besserwisserisches spirituelles Geschwätz.

Wolf Schneider, Jg. 52. Autor, Redakteur, Moderator. Studium der Naturwiss. und Philosophie (1971-75) in München. 1975-77 in Asien. Seit 1985 Hrsg. der Zeitschrift connection. Seit 2008 Theaterspiel & Kabarett. Kontakt: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, www.connection.de.

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