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REFLEXIONEN

... von Wolf Schneider

Wolf Schneider

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Wolf Schneider, Jahrgang '52, ist Autor, Redakteur und Kursleiter. Er studierte Naturwissenschaften und Philosophie. Im Zeitraum von 1975 bis 1977 lebte er in Asien. Seit 1985 ist er Herausgeber von Connection, der besten spirituellen Zeitschrift auf Deutsch. Ab 2008 tritt Wolf Schneider immer wieder als Kabarettist auf und nimmt dabei am liebsten seine eigenen Zielgruppe auf die Schippe, die spirituelle Szene. Kontakt: Email an Wolf Schneider.

Reflexionen

Gibt es heute noch Wahrheitssucher?

Im April 2015 wird der Connection Verlag seinen 30. Geburtstag feiern. Dies ist auch das Jahr, in dem ich meine Tätigkeit als Verleger beenden werde. Warum das? Und was ist das Fazit aus jenen 30 Jahren Verantwortung für connection, diese nunmehr dienstälteste transkonfessionelle spirituelle Zeitschrift auf Deutsch, die darin Vorreiter war, die spirituelle Sicht, den Blick auf die Ganzheit der Welt und des Menschen mainstreamfähig zu machen?

Spiritualität im Mainstream

Zunächst eine kleine Korrektur: Dass diese Themen im Mainstream angekommen sind, in Zeitschriften wie happinez, Happy Way, Herzstück, Engelmagazin, flow, Sensa, May Way, Harmony und anderen ist nur die halbe Wahrheit. Denn es ist dort nur der zweite oder dritte Aufguss davon angekommen, die Kopie von der Kopie vom Original, die Versatzstücke und esoterischen Betthupferl. Echte Spiritualität ist einfacher, ehrlicher und weniger gut vermarktbar. Und so will ich auch weiterhin schreiben und Texte guter Autoren für die Veröffentlichung aufbereiten, will auch selbst auf die Bühne gehen, als Vortragender und Kabarettist, aber dem ermüdenden Waren-Geist unserer Zeit nicht mehr als Verleger Folge leisten.

Die PR-Gesellschaft

Vielleicht gab es mal Zeiten, in denen die Politik der sogenannten demokratischen Länder von den Wählern bestimmt wurde. Heute wird sie von Lobbys bestimmt, und die im Internet, TV oder auf Papier veröffentlichten Texte sind zu 90% PR für irgendein Produkt, zu vermarktendes Projekt oder eine auf dem Markt zu profilierende Person. Sie dienen wirtschaftlichen Interessen und nicht der Wahrheit. Mit meiner Zeitschrift connection habe ich das anders machen wollen, dreißig Jahre lang. An Geduld hat es also nicht gefehlt.

Die Vermarktung des Echten

Was ist denn aus der Spiritualität, dem "New Age of Aquarius" und den Hoffnungen von damals geworden? Make love, not war! Sei ganzheitlich! Werde du selbst! Mit diesen Parolen ist der rebellierende Teil einer ganzen Generation in den 70er Jahren aus dem System ausgestiegen, das uns kaputt machte und noch immer kaputt macht. Wir glaubten Vorboten einer neuen Welt zu sein. Diese Parolen sind heute jedoch nicht verwirklicht, sondern vermarktet worden. Die Megamaschine der Konsumwirtschaft hat sich dieser Trends angenommen und hat sie mithilfe von Werbepsychologen so aufbereitet, dass sich damit nun ausreichend große Stückzahlen dazu passender Waren verkaufen lassen. Was vor Jahren einmal echt und ernst gemeint war, ist nun Geld wert - und wird verbraucht. Was aber ist echt? Schalte das Radio an, höre die Stimme, und du weißt, ob es eine Werbesendung ist oder nicht, sogar dann, wenn es eine Sprache ist, die du nicht verstehst. Mit ein bisschen Feinfühligkeit erkennst du den Unterschied auch bei gedruckten Texten: Die Anhäufung von Superlativen und vollmundig präsentierten positiven Botschaften deutet darauf, dass der Text irgendetwas bewirbt.

… und das Verschwinden der Wirklichkeit

Werbung ist nicht grundsätzlich schlecht. Wenn jedoch die uns überflutenden Nachrichten zum größten Teil aus Werbung bestehen, trauen wir bald gar keiner Nachricht mehr. Das Ausmaß offener oder versteckter PR führt dazu, dass wir ungefilterte Realität immer weniger wahrnehmen. Der Blick in ein S-Bahn-Abteil, in dem 7 von 10 Menschen auf ihren Handy-Screen starren, einer das Boulevard-Blatt liest, einer den Verkaufsflyer des örtlichen Discounters, während nur einer der 10 aus dem Fenster schaut oder in die Gesichter der anderen Menschen, zeigt uns, wie heute Realität wahrgenommen wird.

Wahrheitssucher?

Wobei du fragen könntest, was dieser eine, der sein Bild der Wirklichkeit nicht über einen Bildschirm oder gedrucktes Papier bezieht, wohl in den Gesichtern der Menschen sieht, die er da anschaut, oder wovon er beim Blick auf die draußen vorbeiziehende Landschaft träumt. Sieht er da vielleicht eher seine eigenen inneren Bilder als das, was da draußen wirklich ist?

Wolf Schneider, Jg. 52. Autor, Redakteur, Moderator. Studium der Naturwiss. und Philosophie (1971-75) in München. 1975-77 in Asien. Seit 1985 Hrsg. der Zeitschrift connection. Seit 2008 Theaterspiel & Kabarett. Kontakt: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, www.connection.de.

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