Eine erholsame Nacht wünscht Ihnen der PRISMA Event-Guide for happy people.
CD - Andre Hammon Moonscope

CD - Andre Hammon Moonscope
  • Audio-CD, 55 Min, VIVITA MUSIC 2018 EAN 5060421240190

Man begegnet sich im Leben immer zwei Mal. So ist es mir jedenfalls ergangen, als ich das Audio-Debüt von Hammon mit dem Titel „Moonscope“ zum ersten Mal hörte: coole instrumentale Synthie-Pop-Produktion im Stil der Achtziger. Jean-Michel Jarre lässt grüßen! Das war ja auch ein kreatives und schrilles Jahrzehnt, wovon man sich in dieser biederen Zeit heute durchaus eine Scheibe abschneiden könnte. Wobei der Vergleich etwas hinkt, denn Hammon baut seine Stücke ganz klassisch und zeitgeistgerecht auf, mit Intro, Vers, Bridge und Refrain. Er legt Wert auf eine eingängige Melodieführung mit Parts, die sich schnell einprägen und ins Ohr gehen. Die zwölf Stücke sind zeitlich überschaubar, von 3:40 bis knapp über 6 Minuten. Und darin unterscheidet er sich von den Soundmeistern der Siebziger und Achtziger, die von den Zuhörern auch mal 20 Minuten Durchhaltevermögen einforderten.

Thematisch hat sich Hammon dem Phänomen der Monde in unserem Sonnensystem gewidmet, von denen es 200 geben soll und die der Kitt im Fenster der Bewegungen der Planeten um die Sonne sind. Ohne Monde keine Stabilität und reines Chaos im Universum. Dabei vermitteln die Texte zu den einzelnen Mondphänomenen auch lehrreiche und philosophische Aspekte. So komponierte er z.B. Stücke zum Vollmond oder zu Ereignissen wie Mondfinsternissen oder der 13. Apollo-Mission, die mit dem Hilferuf „Houston, we've had a problem" Geschichte machte. Das Spektrum umfasst auch andere Monde, wie cc, der um Jupiter kreist, oder Titan, der seine Bahn um Saturn dreht. Entsprechend mondhaft und sphärisch ist auch der Grundton der Stücke, wenn auch die meisten Kompositionen in Dur gehalten sind und daher recht poppig, teils sogar rockig daherkommen. Die Grundstimmung der Instrumente wurde aber auf 432 Hz heruntergetrimmt, was in letzter Zeit immer mal wieder zu hören ist. Das ist die Stimmung, die angeblich mit der kosmischen Grundschwingung der Planeten konform geht und in der Klassik noch Usus war. Heute spielen die Orchester in 442, teilweise sogar 444 Hz, was wohl das Ende der Fahnenstange für Geigen oder Kontrabässe ist, denn bei höherer Stimmung fliegen den Musikern die Zargen um die Ohren. Hammon greift hier also wohl bewusst auf eine tiefere und archaischere Grundstimmung zurück, die entspannter und meditativer wirkt.

In der CD-Verpackung gibt es noch künstlerisch-ästhetische Bilder mit Texten in einem 12-seitigen Booklet, das der international bekannte Lichtkünstler Norbert Götz eigens für diese CD kreiert hat. Überhaupt kommt die CD gut umhüllt daher: zweifach aufklappbares Digifilepack, also komplett kartoniert mit aufwändig gestaltetem Layout und Handbuch zu den einzelnen Songs.

Laut Presseberichten wird die CD ab Frühjahr auch bei Spotify erhältlich sein, also im Rahmen eines kostenlosen Streamings. Ich für mein Teil kaufe mir aber nach wie vor lieber die CD, wenn das Drumherum stimmt. In diesem Fall trifft das voll zu, weil das ganze Konzept passt, die Stücke gefällig sind und alles hochwertig gemacht ist. Kurzum, Moonscope ist eine CD, die es verdient, in meiner Sammlung zu stehen und immer wieder angehört zu werden.